Dienstag, 20. Februar 2007

Projekt in meinem HCI-Kurs

Ich dachte, ich berichte mal kurz ueber mein Projekt in meiner Human-Computer Interaction Kurs. Semesterbegleitend muessen wir in 4-bis-5-Person-Gruppen ein neues Interface entwickeln. Wir haben uns als Thema die Unterstuetzung von getrennt-lebenden oder geschiedenen Elternteilen, die ausser der digitalen Kommunikation keine anderen Moeglichkeiten haben, mit ihren Kinder zu kommunizieren. Wir suchen nach Wegen, diese Kommunikation etwas natuerlich zu machen und mehr an eine normale alltaegliche Kommunikation heranzufuehren. Mal sehen, welche Technik dies unterstuetzen wird. Bei dem gesamten Projekt muessen wir einen genauen Design-Prozess verfolgen, den ich hier nach und nach erlaeutern werde:

  • Verstehen des Problems: Dafuer mussten wir unsere Zielgruppe interviewen, observieren, aktuelle Veroeffentlichungen zum aehnlichen Thema bearbeiten und dadurch die Zielgruppe genaustens definieren. Dazu gehoert auch die Analyse der Aufgabe, die mit dem Produkt erfuellt werden soll. Dazu mussten Diagramme und zahllose Beschreibungen erstellt werden. Ausserdem mussten Usability-Kriterien eroertert werden, die spaeter zur Evaluation des Produktes dienen werden.
Ich bin in relativ interessanten Team gelandet. Wir haben also nach endloser Arbeit (hab mindestens 40h investiert) 20 Seiten Dokumentation zur Analyse der Aufgabe und Zielgruppe abgegeben. Mit viel Lob ueber unseren verstaendlichen Schreibstil und den perfekten Inhalt, haben wir den ersten Teil mit Bestbewertung zurueckbekommen. Dies ist nun schon zwei Wochen her. Inzwischen arbeiten wir am zweiten Teil:
  • Design Alternativen: In diesem Teil, fuer den wir wieder 3 Wochen Zeit bekommen haben, mussten wir eine Vielzahl an Design-Loesungen fuer das im ersten Teil beschriebene Problem suchen. Wir sollten also durch Brainstorming ueber 100 Ideen generieren, die dann gruppieren und sinnlose Ideen auschliessen (Afinity Diagram). Am Ende sollten wir uns fuer 3-5 verschiedene Ideen entscheiden, fuer die wir dann erste Prototypen, also Storyboards, Szenarien, Mockups, ... erstellen sollen. Diese sollen wir dann am Donnerstag in einer Poster-Praesentation eine Menge an HCI-Professoren und PhD-Studenten praesentieren um deren Experten-Feedback in unser Design zu integrieren. Am Ende muss wieder ein 20seitiges Dokument entstehen, welches den Brainstorming-Prozess von 100 auf 3 Alternativen erklaert und Gruende fuer Ausschluss oder Auswahl aufzeigt. Schliesslich muss jede Design-Alternative kritisch bewertet werden.
Wir haben also knapp 130 Ideen generiert. Dafuer haben wir uns fuer 10h in einen Meeting-Raum mit einer riesigen Tafel (5x5m) zurueckgezogen. Dann haben wir diese zusammengefasst und Gruppen definiert. Dann haben wir die Menge auf 30 gute Ideen heruntergebrochen bis wir spaeter dann bei 6 guten Ideen angekommen waren. Eine Idee, die ich besonders gut finde, ist die eines Digitalen Tisches, der fuer gemeinsame Hausaufgaben sowie dem einfachen Liegenlassen von Hinweise dienen kann. Mehr dazu spaeter. Hier das Poster zur Praesentation unserer Ideen:
  • System-Prototyp und Evaluations-Plan: Im dritten Teil des Projekts werden wir das fuer uns "beste" (d.h. das, welches die Aufgabe und Zielgruppe am besten adressiert) Design auswaehlen. Danach muessen wir einen echten Prototyp bauen. Dabei muss dieser so echt sein, damit wir mit der echten Zielgruppe Tests durchfuehren koennen. Ausserdem muessen wir einen ausfuehrlichen Evaluationsplan erarbeiten. Uebrigens, damit wir dieses Experiment ueberhaupt durchfuehren koennen, muessen wir dies vorher von einer Institution fuer die Pruefung von Experimenten absegnen lassen. Und die wollen eine Menge Daten haben um sicher zu stellen, dass auch keiner Schaden davon traegt.
  • Evaluation: Im letzten Teil muessen wir dann unsere Observationen an der Zielgruppe mit unserem Produkt durchfuehren, Fragebogen ausfuellen lassen, spaeter alles auswerten und mit unseren anfangs definierten Kriterien vergleichen. Mit den erkannten Problemen wuerde man nun in die zweite Runde des Designs gehen und die Probleme beseitigen, dann wieder evaluieren....das werden wir aus Zeitgruenden allerdings weg lassen. Am Ende muessen wir dann letztendlich das finale Ergebnis praesentieren.
So sieht also ein "kleines" Projekt aus: mindestens 15h Arbeit pro Woche. Dabei darf man die woechentlichen Hausaufgaben, den Lesestoff und die Tests nicht vergessen. Und das ist nur ein Kurs!!!

Keine Kommentare: